Das Buch

Das Buch „Im Irrenhaus – Plötzlich daheim“ Wenn man nach über drei Jahrzehnten als journalistischer Weltenbummler und zwei Jahrzehnten wilder Ehe plötzlich zum häuslichen Mann wird, verändert sich das Leben auf dramatische Weise: Anstatt bei Olympischen Spielen finden meine „Wettkämpfe“ jetzt in den eigenen vier Wänden oder in heimischen Gourmet-Supermärkten statt, wohin mich meine Gefährtin einen Tag vor dem Heiligen Abend zum Einkaufen entsandte – dabei erntete ich übrigens keine Medaillen, sondern nur die bittere Erkenntnis, das nur „dabei sein“ wirklich nicht alles ist. „Im Irrenhaus – Plötzlich daheim“ ist eine Sammlung humorvoller Kurzgeschichten, natürlich mit den künstlerischen Übertreibungen eines geborenen Satirikers. Früher lief ich von Termin zu Termin, jetzt von einem humorvollen Erlebnis zum anderen: Wie mich der SMS-Teufel auslachte, warum ich im Fitnesscenter scheiterte, wieso ich in der Nervenklinik eingeliefert wurde – das alles und vieles mehr können Sie in meinem neuen Buch lesen. Geschichten, die nicht nur zum Schmunzeln anregen!

Das druckfrische Buch liegt auf und ist ab sofort im Buchhandel, bei Thalia und Amazon erhältlich!

Im Irrenhaus – Plötzlich daheim
19,80 Euro | 200 Seiten | Hardcover
ISBN: 978-3-903113-32-9
© 2017 echomedia buchverlag

 

Cover Foto von Alexander Amon

Leseproben aus meinem Buch „Im Irrenhaus – Plötzlich daheim“

Mit Unterschrift und Stempel

Wenn man als freier Schriftsteller in den Tag hineinlebt, wird sogar die Politik ein interessantes Thema. Und so blieb mir nicht verborgen, dass der österreichische Finanzminister eines Tags beschloss, das Budgetloch wäre zu groß. Man müsste, so verkündete er, Taten setzen. Und man setzte.

Zuerst wurden die Pensionen gekürzt – und weil das nichts half, die Pensionisten abgeschafft.

Als das Loch schon größer als das Budget war, wurden weitere Steuern erfunden. Die wirtschaftliche Lage eskalierte weiter, also schickte man sich an, die Löhne kräftig zu reduzieren. Natürlich nannte man das nicht so, sondern politisch korrekt: einfrieren.

Als der Finanzminister (es war übrigens schon ein anderer, der alte war unter die neugeschaffene Pensionistenregelung gefallen) Selbstmordgedanken hegte und seinen Kopf stundenlang in einen Kühlschrank steckte, erhöhte man zur dessen Beruhigung rasch die Tarife für die öffentlichen Verkehrsmittel. Nachdem die aufgrund der ausbleibenden Fahrgäste wiederum ihren Bankrott erklärten, musste jeder Autobesitzer eine derart hohe Straßenmaut berappen, dass keiner mehr Geld fürs Benzin hatte. Und als schließlich nur noch der Finanzminister (schon wieder ein neuer, der andere zog ein Leben im ewigen Eis vor) einen Wagen besaß, kam er auf die schicksalhafteste Idee eines Österreichers in den letzten tausend Jahren: Er führte die Registrierkasse ein.

Man muss sich das einmal vorstellen: Der Staat verlangte plötzlich für sämtliche Tätigkeiten seiner Bürger Belege mit Unterschrift und Stempel. Und die konnte man dann, fein säuberlich sortiert, beim Finanzamt geltend machen. Und bekam so einen Teil seines Geldes wieder zurück. Was früher mit einem wissenden Augenzwinkern und einem festen Händedruck in Sekundenschnelle abgewickelt worden war, entwickelte sich zu mittelgroßen Staatsverträgen. Unsere Insel der Seligen im Herzen Europas wurde daraufhin aus Protest von einer Streikflut dahingerafft, die alles mit sich riss: Richter richteten nicht mehr, Vertreter vertraten nicht mehr, Ärzte verarzteten nicht mehr, und Staatsdiener dienten nicht mehr. Aber gut, das fiel nicht so auf.

Doch es half alles nichts, das Leben wurde für alle ein wenig komplizierter: Schließlich musste nach dem neuen Gesetz jeder Handgriff, gleich ob von einem oder für jemanden, belegt werden. Im Kampf um eine Zeitung kam ich erst am nächsten Tag in die Heimat zurück. Mein bester Freund, der in einem Taxi nach mir Ausschau halten wollte, gilt seitdem als vermisst. Und ein lieber Journalisten-Kollege fiel bei einer Tankstelle.

Wir befanden uns im Krieg.

Etwa in der Trafik: „Ihre ‚Krone‘? Bitte sehr, macht einen Euro! Eine Rechnung? Natürlich, Wenn Sie mir, bitte, hier schriftlich bestätigen, dass ich Ihnen die Zeitung verkauft habe. Wie? Sie benötigen einen Beleg für den verwendeten Kugelschreiber? Kein Problem, wenn Sie mir im Gegenzug eine eidesstattliche Erklärung abgeben, dass der Kuli nicht aus meinem Geschäft stammt. . .“ Kurze Fahrten in die jeweiligen Wohnungen, zwecks Überprüfungen der Geburtsurkunden und Taufscheine versteht sich, eine etwas längere Reise in die jeweilige Geburtsstadt des Vaters nach Brzkowicko oder so ähnlich irgendwo in Böhmen beendete im Regelfall den kleinen Handel. Außer man musste in die Türkei, dann dauerte es etwas länger.

Dass sich vor den Geschäften Menschenschlangen bildeten, machte nichts. Sagte der Finanzminister. Auch dass niemand mehr wusste, an welches Ende einer Menschenschlange man sich für welche Bestätigung einzureihen hatte, war kein Problem. Hieß es.

Aus aller Welt kamen die Fernsehteams und filmten uns. Einmal wurde auch ich interviewt. Leider bekam ich von diesem gesetzlosen Fremden keine Bestätigung dafür. Typisch.

Langsam gewöhnte ich mich aber an das neue Leben: Jeden Tag um sechs Uhr in der Früh rief ich meinen Steuerberater an und bat ihn um Tipps, wie ich die nächsten Stunden die staatliche Registrierkasse am besten in mein irdisches Dasein integrieren konnte. Ich besuchte meinen alten Squash-Partner nicht mehr am Nachmittag, sondern um drei Uhr nachts, weil ich somit 22 Prozent der Fahrtspesen als erhöhte Sonderausgabe beim Fiskus geltend machen konnte – den Beleg musste ich mir allerdings mit Waffengewalt erkämpfen. Ich trennte mich nach 20 Jahren glücklicher Beziehung vorläufig von meiner Gefährtin (was mir ein Prozent mehr an Werbekosten brachte) und näherte mich dem bisher unvorstellbaren Gedanken an die käuflichen Liebe. Die ist vielleicht nicht ganz so charismatisch, aber man hat dabei zumindest die Chance auf eine Rechnung.

Urlaub machte ich nicht in Griechenland, sondern am Südpol, was den Vorteil hatte, dass ich für die Behandlung meiner schweren Lungenentzündung einen Bon vom Arzt erhielt – den könnte ich in die Steuererklärung aufnehmen. Im Fieberwahn, aber immerhin. Meine Wohnung musste ich allerdings verkaufen, weil ich als obdachloser Streuner von der Gemeinde Wien einen offiziellen Beleg für meine Mindestsicherung bekam.

Gestern nahm ich mir das Leben. Das sollte mir in Zukunft die Luxussteuer ersparen. Als ich allerdings vor Petrus stand und in dem Himmel wollte, verlangte er doch glatt eine Bestätigung mit Unterschrift und Stempel. Das wunderte mich nicht.

Unser Finanzminister war ja auch schon tot.

Happyend

Doris ist eine gute Freundin meiner Gefährtin, und die beiden übertreffen einander in der Sorge um mich: vor allem, was die Fitness angeht. Nicht etwa, dass man die beiden oft beim Lauf- oder Krafttraining erwischt, schon eher im Kaffeehaus, aber ihnen ist eine körperliche Begabung eigen, die Männern völlig fremd ist: Beweglichkeit. Jede Frau ist eine geborene Ballerina. Während alles, was sich bei uns um mehr als fünf Grad drehen kann, schon eine Fleißaufgabe des Lieben Gottes bei der Talente-Vergabe gewesen war.

Das hatte lange Zeit auch seinen Sinn, etwa beim Autofahren: Vertreter unseres Geschlechts saßen stets am Steuer und blickten dabei kerzengerade nach vorne, um den Langsampendler auf der dritten Spur der Westautobahn ins Kreuzfeuer der Pupillen zu nehmen und solange anzustarren, bis er aufgab und die Seiten wechselte. Die Dame unseres Herzens musste sich indes zu uns drehen, um herumzumotzen. Aber dann entglitt dem Herrn die Verkehrspolitik, indem er den Radfahren Menschenrechte gewährte.

Und so musste ich beim Abbiegen vom Franz-Josefs-Kai in die Hollandstraße meinen Kopf tatsächlich derart weit nach links biegen, um keinen dieser von hinten daherrasenden Drahteseln aufzuspießen, bis die Halswirbeln krachten. Wie gesagt: Ein Mann sollte nicht zum Balletttanzen gezwungen werden.

„Um Gottes willen!“, schrie Doris vom Rücksitz in mein Ohr, das daraufhin genauso schmerzte wie der Nacken. „Du bist ja ein körperliches Wrack. Dein Beruf als Journalist hat dich völlig kaputtgemacht, sei froh, dass du nicht mehr dabei bist! Weiß du überhaupt, was passiert, wenn du alt bist? Deine Wirbelsäule wird so unbeweglich, dass dir deine Frau die Schuhbänder binden muss. Und dann landest du im Rollstuhl.“ Das sollte ein Masseur verhindern.

Die beiden Kumpaninnen einigten sich noch am selben Tag, und zwar im Kaffeehaus, auf einen Spezialisten in Wien-Neubau, den sie nach eingehenden Vergleichen mit anderen Internet-Kandidaten für den geeigneten hielten. Was das World Wide Web allerdings verschwieg, war das Stockwerk und die erschwerende Tatsache, dass das Haus keinen Lift hatte. Und so war schon das erste Aufeinandertreffen mit meinem Heiler eine glatte Demütigung für mich: An der Tür in der sechsten Etage stand eine strahlende, ausgeglichene Erscheinung mit dem idealen Puls von gefühlten 60 Schlägen in der Minute, gerade Körperhaltung, die Schultern in gleicher Höhe, die Oberarme muskelbepackt, und das hautenge, helle T-Shirt ließ Sixpacks erahnen, auf denen ein Radfahrer jederzeit balancieren könnte. Weiter nach unten schaute ich nicht, das ersparte mir weitere Peinlichkeiten – denn ich hatte vor allem mit meinem Atem zu kämpfen: Herzschlag an die 200, die rechte Schulter fiel gegenüber der anderen deutlich ab, und unter dem Hemd, das mir aus der Hose gerutscht war, blickte eine bleiche, weiße Masse hervor, die nur Experten der menschlichen Körperkultur als Bauch identifizieren hätten können.

„Macht ja nichts“, starrte der Masseur über mich, den Gebückten, hinweg und meinte, ohne die sterile Tonart seiner Stimme zu verändern: „Legen Sie sich dort aufs Bett! Aber vorher ziehen Sie, bitte, Ihre Jeans und das Unterleibchen aus. Brauchen Sie dabei Hilfe?“

Arroganz scheint nicht nur die Medizin von Ärzten zu sein – auch ihre knetenden Helfer verabreichen sie den gequälten Existenzen dieses Planeten gerne.

Mit letzter Energie und wenig Eleganz ließ mich mein Stolz dann doch alleine auf den Klapptisch klettern. Ich lag mit dem Gesicht nach vorne auf diesem wackeligen Gestell, und die Salbung der vereisten Muskulatur begann mit der ersten Ölung. „Ihre Haut ist zu trocken“, mahnte der von Gott Gesandte und verrieb gegen eine kleine Aufzahlung ein ganzes Fläschchen mit einer Art Weihwasser in meinen steppengleichen Rücken. Dann knurrte er halbwegs zufrieden, nahm jeden Wirbel meiner Säule in seine athletischen Finger, die mehr Umfang hatten als meine Oberschenkel, und drückte selbstgefällig zu. Das war wie Zahnreißen ohne Spritze, was die Frage aufwirft: Wieso darf ein Masseur eigentlich keine schmerzstillenden Injektionen verabreichen? Oder überhaupt eine Vollnarkose: einmal Shiatsu-Behandlung, eine Stunde im Koma, und man würde völlig biegsam aufwachen.

An mir hingegen wurde eine Nierentransplantation bei vollem Bewusstsein vorgenommen. Der weiße Engel spitze nämlich die Ellbogen zu einem Bohrer, fand mit seinem Kennerblick die härteste Stelle am Rücken und stampfte mit der Urkraft seiner Arme ein Loch hinein: Einer Asphaltstraße muss es ähnlich ergehen, wenn ihr Arbeiter mit einem Presslufthammer ein Loch reißen. Ich blickte ängstlich nach unten und suchte nach Blut, das aus mir triefen müsste. Aber für den Meister der Lockerung war das erst der Beginn: Er nahm sich mit derselben Technik jeden einzelnen Zentimeter vor, bis er das Teer an meinem Nacken erreicht hatte: Ich biss ins Handtuch, um ihm nicht die Genugtuung meiner Pein zu geben. „Das Wichtigste ist“, dozierte er genüsslich, „dass sie alles herauslassen und nichts unterdrücken. Schreien Sie nur, wenn Ihnen danach ist.“ Leck mich!

Ich hielt sogar durch, als mich der Folterknecht aufforderte, aufrecht auf dem Klappergestell Platz zu nehmen. „So kann ich leichter, ihre verschobenen Wirbeln einrichten.“ Wozu das notwendig wäre, sagte er allerdings nicht, denn eigentlich haben sich die auf ihren neuen Plätzchen schon ganz wohl gefühlt – aber in der Orthopädie für Anfänger, also für Masseure, scheint das so etwas wie Hausbesetzung zu sein: Die Störenfriede müssen weg! Daher umklammerte er meinen Oberkörper von hinten, als würde sich ein Rhesusäffchen an seiner Mama festhalten, packte mit beiden Händen meinen Hals und zog mich in die Luft. Dort hing ich wie ein zu Tode Verurteilter. Dagegen war die spanische Inquisition eine einzige Streicheleinheit – aber selbst, wenn ich etwas zu verraten gehabt hätte, wäre ich sprachlos gewesen. Der Henker nahm mir die Luft zum Atmen, dabei hätte ich alles preisgegeben: Ja, gestern habe ich mit dem Teufel zu Abend gegessen, und zum Dessert gab´s ein paar Kinderbeinchen. Meine Frau ist eine Hexe. Und Doris sowieso.

Nach einer Minute verließen den Muskelprotz dann doch die Kräfte, er hängte mich vom Seil ab, und die Hinrichtung wurde verschoben. Der Barmherzige setzte mich sanft auf den Tisch, strich über meinen Oberkörper und diagnostizierte mit Röntgenaugen, die jeder seiner Zunft zu haben glaubt: „Also der dritte Lendenwirbel ist ziemlich ramponiert und der vierte Brustwirbel leicht verschoben, dafür haben wir den zweiten Halswirbel einrenken können. Mit Ihren Problemen sollten Sie solche Behandlungen wöchentlich machen – es gibt aber eine sehr, sehr schlechte Nachricht für Sie: Ich habe ein Job-Angebot als Straßenbau-Arbeiter angenommen und schließe meine Praxis.“

Seitdem weiß ich, was Happyend bei einer Massage bedeutet.

Fürs Vaterland

Als Journalist hat man zwangsläufig viel mit Politikern zu tun – und weil sich der gesamte österreichische Sport großteils aufs Verteidigen von Niederlagen beschränkt, macht man in unserem Land den jeweiligen Verteidigungsminister auch gleich zum Ressortchef über den Sport. Daher kannte ich sie durch meinen Beruf allesamt.

Diese geschätzten Regierungsmitglieder der letzten Jahre mögen mir, bitte, die folgenden persönlichen Erinnerung an meine Jugendzeit verzeihen: Schon damals war nämlich das Bundesheer ein allseits beliebtes Diskussionsthema. Ich glaube, daran hat sich auch bei den potenziellen Vaterlandsverteidigern von heute nichts geändert. Die entscheidende Frage ist: Wie kann man sich am besten davor drücken?

Gesundheitliche Schäden erfreuen sich stets einer gewissen Beliebtheit: Ein Mann im Rollstuhl wird selten genommen. Beim Abtrennen von Gliedmaßen wäre ich hingegen vorsichtig, schließlich kann man auch mit einem Bein zumindest noch Fallschirmspringer werden.

Ich spreche aus Erfahrung. Als meine Freunde und ich nämlich 18 Jahre jung waren, analysierten wir nächtelang alle Möglichkeiten, sich auf der attraktivsten Weise dem Dienst am Staat zu entziehen. Die kollektive Amputation ein paar vermeintlich sinnloser Finger, vornehmlich der Ringfinger, setzte sich in einer Kampfabstimmung durch; auf Platz zwei landete ein offenes Magengeschwür, gefolgt von schweren Lungenkrankheiten.

Nur Bertl hielt sich aus all diesen Gesprächen auffallend heraus. Ich war damals nicht ganz sicher, ob seine Schweigsamkeit auf geistige Leere oder Schlitzohrigkeit zurückzuführen wäre. Längst kenne ich die Antwort: Bertl ist ein Genie.

Während unsereins den Zigarettenkonsum auf mehrere Stangen pro Stunde hinaufschraubte, um zumindest mit den Ansätzen gröberer Atemprobleme aufwarten zu können, und sich behutsam diverse Sägen an die Hand legte, ging ein durch und durch vollständiger Bertl zur Stellungskommission. Und ein topfitter noch dazu.

Mir zum Beispiel bereitete dort schon ein zirka 25 Zentimeter großes A beim Sehtest gröbere Schwierigkeiten, unser Rambo entzifferte aber sogar Buchstaben in Mikrobenform. „F – Z – U – X – stimmt’s, Herr Leutnant?“, donnerte es beherzt aus Bertls Mund. „F – Z – U – X – Sie haben Recht!“, wunderte sich der Offizier. „Danke, Sir!“

Peter hingegen suchte sein Glück beim Hörtest, nachdem er wochenlang jedes Heavy-Metal-Konzert in der Umgebung besucht hatte.  Claus beim EKG (Er hatte zuvor schon 14 Liter Kaffee ohne Milch aufgeschlabbert und pendelte sich bei einem Puls von 280 ein). Gerhard beim Lungenröntgen (Die zwei Murmeln in diesem Organ warfen einen diabolischen Schatten und klangen beim Ausatmen wie das Salzburger Glockenspiel fünf vor zwölf). Michael versuchte es mit dem Magen, er war zuvor unzähligen Fischmäcs mit Pommes und Dessert habhaft geworden. Im Großen und Ganzen ist es uns gelungen, die durchschnittliche Lebenserwartung der Österreicher auf 20,5 zu drücken.

Nur Bertl strahlte Gesundheit aus: Blutdruck 120:60, Ruhepuls 50, ein gesundes Herz, ein fitter Magen, rundum ein Prachtbursche; mit der richtigen Einstellung zum Bundesheer noch dazu: „Jawohl, Herr Oberleutnant! Danke, Herr Major! Auf Wiedersehen, Herr General!“

Im abschließenden Einzelgespräch mit einem Berufsoffizier erklärte er außerdem seine Bereitschaft, im Ernstfall fürs Vaterland kämpfen zu wollen. „Ich habe mir alles genau überlegt“, erzählte er feixend, „und bin zu der Ansicht gekommen, dass wir ein starkes Bundesheer benötigen, um in sicheren Grenzen leben zu können. Jeder von uns muss seinen Beitrag für den Frieden in Freiheit leisten.“

Dann warteten wir auf die Urteile – und die waren eine Niederlage auf allen Linien: Peter, der Gehörlose: schuldig. Also tauglich. Claus mit dem schnellen Puls: tauglich. Gerhard mit dem Glockenspiel: tauglich. Auch Michael mit dem Fischmäc und mich, den Blinden, hat´s erwischt: acht Monate unbedingt.

Nur Bertl war untauglich. Offizielle Begründung: Geistige Umnachtung.

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